Riester kündigen, übertragen oder behalten? Deine Entscheidungshilfe für 2027

Entscheidungshilfe · Antonio Brigante · Stand: Juli 2026 · Lesezeit ca. 9 Minuten

Rund 15 Millionen Riester-Verträge gibt es noch in Deutschland – und ab dem 1. Januar 2027 stellt sich für jeden einzelnen davon dieselbe Frage: Was nun? Denn dann startet das neue, staatlich geförderte Altersvorsorgedepot, und neue Riester-Verträge können nicht mehr abgeschlossen werden. Bestehende Verträge laufen unter Bestandsschutz weiter. Du hast also die Wahl – und genau dabei hilft dir dieser Artikel.

Deine drei Optionen im Überblick

  1. Behalten und weiterführen: Dein Riester-Vertrag läuft mit der bisherigen Förderung weiter, als wäre nichts passiert.
  2. Guthaben ins Altersvorsorgedepot übertragen: Du nimmst dein angespartes Kapital förderunschädlich mit ins neue System und sparst dort weiter.
  3. Kündigen: Du löst den Vertrag auf und lässt dir das Guthaben auszahlen – musst dann aber alle erhaltenen Zulagen und Steuervorteile zurückzahlen (förderschädliche Verwendung).

Vorweg das Wichtigste: Kündigen ist fast immer die schlechteste der drei Optionen. Die Rückzahlung der kompletten Förderung frisst oft einen erheblichen Teil des Guthabens auf. Wer aus einem schlechten Vertrag raus will, hat mit der Übertragung ab 2027 einen deutlich besseren Weg.

Wann sich Behalten lohnen kann

Es gibt Konstellationen, in denen der alte Riester-Vertrag tatsächlich die bessere Förderung bietet:

  • Geringes Einkommen plus mehrere Kinder: Wer heute mit einem sehr kleinen Eigenbeitrag die vollen Riester-Zulagen bekommt (das betrifft vor allem Alleinerziehende und Familien mit niedrigem Einkommen), fährt mit der alten Zulagensystematik teils besser, weil das neue System beitragsproportional fördert.
  • Kurz vor der Rente mit hoher Garantieverzinsung: Alte Verträge mit hohem Garantiezins (teils noch aus den 2000er-Jahren) sind ein Auslaufmodell, das es so nie wieder gibt. Bei nur noch wenigen Jahren Restlaufzeit kann die Garantie wertvoller sein als die Renditechance im Depot.
  • Wohn-Riester mit laufender Immobilienfinanzierung: Hier ist die Lage komplex – nichts überstürzen und im Zweifel individuell prüfen lassen.

Wann die Übertragung ins Altersvorsorgedepot attraktiv ist

Für die Mehrheit der Sparer – besonders mit mehr als 10 bis 15 Jahren bis zur Rente – spricht vieles für den Wechsel:

  • Höhere Renditechancen: Ohne die Riester-Beitragsgarantie kann dein Geld voll am Aktienmarkt arbeiten, statt in mager verzinsten Sicherungsvermögen zu liegen.
  • Bessere Förderung für die meisten: Bis zu 540 € Grundzulage pro Jahr plus bis zu 300 € Kinderzulage pro Kind – bei höheren Eigenbeiträgen ist das neue System meist großzügiger als Riester.
  • Niedrigere Kosten: Kein Versicherungsmantel, und beim Standarddepot greift sogar ein gesetzlicher Kostendeckel von 1,0 %.
  • Flexiblere Auszahlung: Statt der Zwangsverrentung erlaubt das neue System auch einen Auszahlplan – planbar bis mindestens zum 85. Lebensjahr.

Dein Prüfschema in fünf Schritten

  1. Standmitteilung holen: Wie hoch ist dein aktuelles Guthaben im Vergleich zu Einzahlungen plus Zulagen? Liegt der Wert darunter, produziert dein Vertrag vor allem Kosten.
  2. Effektivkosten erfragen: Dein Anbieter muss sie dir nennen. Über etwa 1,5 % pro Jahr ist der Vertrag ein Renditefresser.
  3. Deine Förderung vergleichen: Rechne mit meinem Zulagenrechner aus, was dir im neuen System zusteht, und vergleiche mit deinen aktuellen Riester-Zulagen.
  4. Restlaufzeit bedenken: Je länger dein Horizont, desto stärker wiegen Renditechance und Kostenvorteil des Depots. Unter etwa 7 Jahren bis zur Rente wird es eine Einzelfallentscheidung.
  5. Nicht unter Druck setzen lassen: Dein Bestandsschutz läuft nicht weg. Du kannst 2027 in Ruhe die ersten Angebote und die Vergleichsplattform abwarten – wichtig ist nur, ab jetzt keine schlechten Verträge mehr neu zu besparen.
Ob Behalten, Übertragen oder (selten) Kündigen für dich richtig ist, hängt von Vertrag, Förderung, Restlaufzeit und deiner Lebenssituation ab. Dieser Artikel gibt dir das Prüfschema – die Entscheidung bleibt individuell. Im Finanzcoaching gehen wir deinen konkreten Vertrag gemeinsam durch (Erstgespräch kostenlos). Keine Anlage-, Steuer- oder Rechtsberatung.

Mein Fazit

2027 ist kein Grund zur Panik, sondern eine Chance: Zum ersten Mal seit Jahrzehnten kannst du aus einem teuren Fördervertrag in ein besseres Fördersystem wechseln, ohne deine Zulagen zu verlieren. Nutze die Zeit bis zum Start, um deinen Vertrag zu durchleuchten – dann kannst du am 1. Januar handeln statt raten.

← Zurück zur Artikelübersicht