Das Altersvorsorgedepot 2027: Der Riester-Nachfolger einfach erklärt

Grundlagen · Antonio Brigante · Stand: Juli 2026 · Lesezeit ca. 8 Minuten

Am 1. Januar 2027 startet in Deutschland das neue, staatlich geförderte Altersvorsorgedepot. Das Altersvorsorgereformgesetz wurde im Mai 2026 vom Bundesrat verabschiedet und im Bundesgesetzblatt verkündet – die Regeln stehen also fest. Das neue Depot löst die Riester-Rente im Neugeschäft ab und ist aus meiner Sicht die größte Verbesserung der geförderten privaten Altersvorsorge seit Jahrzehnten. Hier erkläre ich dir, wie es funktioniert.

Was ist das Altersvorsorgedepot?

Vereinfacht gesagt: Ein Wertpapierdepot mit staatlichen Zulagen. Deine Beiträge fließen direkt in Fonds und ETFs – ohne den teuren Versicherungsmantel, der bei Riester so viel Rendite gekostet hat. Der entscheidende Unterschied zu Riester: Es gibt keine verpflichtende 100-%-Beitragsgarantie mehr. Dein Geld kann also voll in den Aktienmarkt investiert werden, was langfristig deutlich höhere Renditechancen bedeutet. Wer Sicherheit möchte, kann weiterhin freiwillig Produktvarianten mit Garantie wählen – muss dann aber mit geringeren Renditechancen leben.

Die staatliche Förderung im Detail

Die Zulagen sind beitragsproportional aufgebaut – je mehr du einzahlst, desto mehr gibt der Staat dazu:

  • 50 % Zulage auf deine ersten 360 € Eigenbeitrag pro Jahr (also bis zu 180 € geschenkt – schon 30 € im Monat reichen dafür).
  • 25 % Zulage auf weitere Einzahlungen bis 1.800 € pro Jahr (bis zu 360 € zusätzlich).
  • Macht zusammen eine Grundzulage von bis zu 540 € pro Jahr.
  • Kinderzulage bis 300 € pro Kind und Jahr, ebenfalls beitragsproportional.
  • 200 € Starter-Bonus einmalig für junge Sparer unter 25 Jahren.
  • Der Mindesteigenbeitrag für die Förderung liegt bei nur 120 € im Jahr – also 10 € im Monat.

Dazu kommt die Steuerstundung: In der Ansparphase fällt keine Abgeltungsteuer auf Gewinne und Dividenden an – dein Kapital bleibt vollständig investiert und der Zinseszinseffekt wirkt ungebremst. Einzahlen kannst du bis zu 6.840 € pro Jahr; Beiträge bis 1.800 € plus Zulagen sind zudem als Sonderausgaben absetzbar, wobei das Finanzamt automatisch prüft, ob Zulage oder Steuerersparnis für dich günstiger ist (Günstigerprüfung).

Wer ist förderberechtigt?

Grundsätzlich alle Pflichtversicherten der gesetzlichen Rentenversicherung sowie Beamte – und, das ist neu: auch Selbstständige, die bei Riester bisher meist außen vor waren.

Standarddepot oder individuelles Depot?

Es wird zwei Varianten geben: Das Standarddepot – eine vereinfachte Lösung mit gesetzlichem Kostendeckel von 1,0 % – und das individuelle Depot, bei dem du die Anlagen (z. B. konkrete ETFs) selbst auswählst. Anbieten dürfen es Banken, Neobroker, Fondsgesellschaften und Versicherungen – aber nur als zertifizierten Altersvorsorgevertrag mit staatlicher Zulassung. Ein normales, bestehendes Depot ist also nicht automatisch förderfähig.

Die wichtigsten Spielregeln

  • Langfristbindung: Das Geld ist für die Rente gedacht. Vorzeitige Entnahmen sind möglich, gelten aber als förderschädlich – Zulagen und Steuervorteile müssen dann zurückgezahlt werden (die damit erwirtschafteten Gewinne darfst du behalten).
  • Ausnahme Wohnen: Entnahmen für Immobilienkauf, Hausbau, energetische Sanierung oder altersgerechten Umbau sind nicht förderschädlich.
  • Auszahlphase: frühestens ab 65 bzw. mit Rentenbeginn – wahlweise als lebenslange Leibrente oder flexibler Auszahlplan (mindestens bis zum 85. Lebensjahr).
  • Anbieterwechsel: jederzeit möglich; in den ersten fünf Jahren maximal 150 € Gebühr, danach kostenlos – die Förderung bleibt erhalten.
  • Zwei Verträge erlaubt: gefördert wird aber nur einer; der zweite eignet sich für steuerbegünstigte Überzahlungen.

Was passiert mit Riester?

Ab 2027 können keine neuen Riester-Verträge mehr abgeschlossen werden. Bestehende Verträge genießen Bestandsschutz und laufen weiter. Du hast dann drei Optionen: Den Riester-Vertrag weiterführen, das Guthaben in ein neues Altersvorsorgedepot übertragen oder den alten Vertrag beitragsfrei stellen und neu starten. Was sinnvoll ist, hängt stark vom Einzelfall ab – gerade bei Geringverdienern mit mehreren Kindern kann die alte Riester-Förderung im Einzelfall besser sein. Genau solche Fragen klären wir im Finanzcoaching.

Mein Fazit

Das Altersvorsorgedepot 2027 behebt die größten Konstruktionsfehler von Riester: Weg mit der renditefressenden Garantiepflicht, weg mit den intransparenten Versicherungsmänteln, hin zu echter Kapitalmarktanlage mit ordentlicher Förderung. Wer die Zulagen ab dem ersten Tag mitnehmen will, sollte sich schon jetzt vorbereiten – die Förderung fließt nicht rückwirkend. Wie viel Förderung dir persönlich zusteht und was daraus bis zur Rente werden kann, zeigt dir mein kostenloser Zulagenrechner für das Altersvorsorgedepot 2027.

Stand: Juli 2026, auf Basis des im Mai 2026 verkündeten Altersvorsorgereformgesetzes. Einzelne Detailregelungen können sich bis zum Start noch durch Verordnungen konkretisieren. Dieser Artikel dient der finanziellen Bildung und ist keine Anlage-, Steuer- oder Rechtsberatung.

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