AV-Depot: Wie Kosten deine komplette Kinderzulage auffressen können

Rechenbeispiel · Stand Juli 2026 · Lesezeit ca. 8 Minuten

Lieber anschauen als lesen? Das ganze Rechenbeispiel gibt es auch als Video – schau gern auf meinem YouTube-Kanal vorbei. Dieser Artikel fasst den Inhalt für dich zusammen.

Die Riester-Rente ist an ihren Kosten gescheitert – das wissen wir heute alle. Am Ende haben die Kosten die kompletten Zulagen aufgefressen, und trotz jahrzehntelangem Sparen kam für viele kaum etwas dabei heraus. Genau diesen Punkt schauen wir uns beim neuen Altersvorsorgedepot an. Denn es könnte gut sein, dass hier dasselbe passiert wie bei Riester – wenn man nicht aufpasst.

Ich schmeiße gleich mal zwei Zahlen in den Raum: Die Kinderzulage bringt in meinem Beispiel rund 37.000 €. Und die Kosten? Wenn du mit nur 0,5 % Depotkosten in einen Vertrag gehst, fressen die über die Laufzeit rund 47.000 € auf. Die Kosten sind also größer als die komplette Förderung fürs Kind. Warum das so ist und worauf du achten solltest, rechne ich dir in diesem Artikel Schritt für Schritt vor.

Hinweis: Das ist keine Anlageberatung, sondern meine eigene Meinung und Recherche. Alle Zahlen sind vereinfachte Modellrechnungen auf Basis des im Mai 2026 verkündeten Altersvorsorgereformgesetzes (Start 1.1.2027) und keine Renditezusage. Einzelheiten der Umsetzung sind teilweise noch offen.

Erst das Schöne: Was der Staat dir schenkt

Bevor wir zu den Kosten kommen, hole ich kurz aus – denn die Förderung ist wirklich stark. Sie läuft in zwei Stufen.

Stufe 1: Auf die ersten 360 €, die du im Jahr einzahlst, gibt der Staat 50 % dazu. Du zahlst 360 € ein, der Staat legt 180 € drauf. Das sind exakt 50 % – und eine sichere Sofort-Rendite von 50 % gibt es sonst nirgendwo. Ein starkes Geschenk.

Stufe 2: Für alles, was du darüber hinaus einzahlst – bis maximal 1.800 € im Jahr – gibt es noch einmal 25 %. Rechnen wir es zusammen: Auf die ersten 360 € gibt es 180 €, und auf den Weg bis 1.800 € kommen noch einmal 360 € dazu. Macht am Ende eine maximale Grundzulage von 540 € pro Jahr.

Am Ende des ersten Jahres hast du damit schon rund 2.340 € im Depot, die für dich arbeiten können – deine 1.800 € Einzahlung plus 540 € Zulage. Das ist schon mal ordentlich.

Drei Regeln, die du kennen solltest

  • Mindestbeitrag: Du musst mindestens 10 € im Monat investieren, also 120 € im Jahr, damit du die Grundzulage überhaupt bekommst.
  • Starter-Bonus: Es gibt zusätzlich 200 € Bonus – allerdings nur für alle, die unter 25 sind.
  • Neu für Selbstständige: Auch Selbstständige können jetzt endlich privat und gefördert fürs Alter vorsorgen. Das war bei Riester anders.

Wie funktioniert die Kinderzulage?

Zusätzlich zur Grundzulage bekommst du pro Kind 300 € im Jahr. Das funktioniert nach dem Prinzip: Für jeden Euro, den du einzahlst, bekommst du 1 € Förderung. Im Klartext heißt das, du musst im Jahr 300 € einzahlen, damit du auch die vollen 300 € Kinderzulage bekommst. Das sollte in einem Jahr für die meisten machbar sein.

Aber Achtung: Die Kinderzulage gibt es nicht für immer

Das ist der Punkt, den viele übersehen – und den ich anfangs selbst zu optimistisch gerechnet hatte: Die Kinderzulage gibt es nicht über die gesamte Laufzeit. Sie ist an das Kindergeld gekoppelt.

Das heißt: Normalerweise fällt das Kindergeld mit 18 weg. Macht dein Kind eine Ausbildung oder studiert, gibt es das Kindergeld maximal bis 25. Und genauso lange – und keinen Tag länger – fließt auch die Kinderzulage in dein Altersvorsorgedepot. Danach ist Schluss.

Das Rechenbeispiel: ein Kind, 18 Jahre Zulage

Schauen wir uns das an einem konkreten Beispiel an. Die Annahmen:

  • 150 € Sparrate im Monat (damit kommen wir auf die vollen 1.800 € im Jahr)
  • 7 % erwartete Rendite
  • Wir sind 30 Jahre alt, haben also noch 37 Jahre bis zur Rente
  • Ein Kind, für das wir 18 Jahre lang die Kinderzulage bekommen
  • Die Kosten lassen wir zunächst extra auf null, um den reinen Effekt der Kinderzulage zu sehen

Für die ersten 18 Jahre – solange das Kindergeld läuft – bekommen wir eine Förderung von 840 € pro Jahr (540 € Grundzulage plus 300 € Kinderzulage). Fällt das Kindergeld weg, sind es nur noch die 540 €.

Das Ergebnis am Ende, mit Rente: ein Kapital von rund 421.000 €. Zum Vergleich rechnen wir dasselbe Beispiel ohne Kind: Da landen wir bei rund 384.000 €.

Das eine Kind hat uns also über diese 18 Jahre einen Vorteil von guten 37.000 € gebracht. Und das ist das Bemerkenswerte: Über 18 Jahre bekommst du in Summe nur 5.400 € Kinderzulage eingezahlt (18 × 300 €) – aber weil dieses Geld früh kommt und dann Jahrzehnte lang mitarbeitet, werden über den Zinseszins am Ende rund 37.000 € daraus.

Zum Selbst-Nachrechnen: Alle Zahlen in diesem Artikel kommen aus meinem kostenlosen Altersvorsorgedepot-Rechner. Dort kannst du deine eigene Sparrate, dein Alter und die Dauer der Kinderzulage eintragen – und siehst sofort deine persönlichen Zahlen.

Bei zwei Kindern steigt das Endkapital übrigens auf rund 458.000 €. Bis hierhin lohnt sich das Ganze also richtig.

Jetzt wird es heikel: die Kosten

So, jetzt kommen wir zu den Kosten – und da wird es heikel. Für das geförderte Standarddepot gibt der Staat eine Obergrenze vor: Achtung, 1 %.

Der Denkfehler, den viele machen: Sie denken, dieses 1 % geht nur von den Einzahlungen ab. Also: „Wenn ich 1.800 € einzahle, habe ich halt 18 € Kosten im Jahr. Damit kann ich leben." Leider funktioniert es so nicht.

Denn das 1 % wird nicht von deiner Einzahlung berechnet, sondern vom gesamten Depotwert – und der wächst Jahr für Jahr. Im ersten Jahr sind es vielleicht wirklich nur 18 €. Aber im nächsten Jahr sind die 1.800 € plus die Zulagen schon drin, und alles davor. Die Kosten steigen also jedes Jahr mit. Ganz krass ausgedrückt: Wer irgendwann 300.000 € im Depot hat, zahlt in diesem einen Jahr 3.000 € Kosten. Deswegen sind sie einfach nicht zu unterschätzen.

Die Gegenüberstellung: 37.000 € Förderung gegen 47.000 € Kosten

Jetzt stellen wir das Ganze gegenüber. Auf der einen Seite: Die Kinderzulage bringt uns über 18 Jahre rund 37.000 €.

Auf der anderen Seite: Die Kosten. Und zwar nehmen wir hier noch nicht einmal das erlaubte 1 %, sondern nur 0,5 % – also die Hälfte. Diese 0,5 % fressen über die gesamte Laufzeit rund 47.500 € auf.

Rechnen wir es im Rechner nach: Ohne Kosten lagen wir bei 421.000 €. Mit 0,5 % Kosten bleiben davon nur noch rund 373.768 € übrig. Das heißt: Die komplette Kinderzulage für das eine Kind über die gesamten 18 Jahre ist weg – und sogar noch mehr als das. Unterm Strich sind über 10.000 € weniger im Depot, als das Kind an Förderung gebracht hat.

Die gute Nachricht: Bei niedrigen Kosten dreht sich das Bild

Damit du mich nicht falsch verstehst – es geht nicht darum, dass das Altersvorsorgedepot schlecht ist. Es geht um die Kosten. Denn schau, was passiert, wenn wir statt 0,5 % nur 0,3 % ansetzen:

Dann fressen die Kosten nur noch rund 29.000 €. Und plötzlich ist die Kinderzulage mit ihren 37.000 € wieder größer als die Kosten – man geht wieder mit einem Plus raus. Genau daran siehst du, wie entscheidend jedes Zehntelprozent ist.

Mein Fazit

Als kleiner Merksatz zum Mitnehmen: Die Rendite kannst du nicht steuern. Was der Markt hergibt, gibt der Markt her. Aber was du sehr wohl selbst steuern kannst, sind die Kosten der Anbieter. Und deswegen lohnt es sich auf jeden Fall, diese zu vergleichen – bevor du irgendwo unterschreibst.

Wenn du dabei Hilfe brauchst, schau gern auf meiner Seite vorbei: Du kannst den Altersvorsorgedepot-Rechner kostenlos nutzen und deine eigene Situation durchrechnen. Und wenn du deine Finanzen grundsätzlich sortieren möchtest, biete ich Finanzcoaching auf Honorarbasis an – wir gehen deine persönliche Situation dann einfach zusammen durch. Das Erstgespräch ist kostenlos.

Passend dazu findest du hier auch meinen Artikel „Das Altersvorsorgedepot 2027 einfach erklärt“ mit allen Grundlagen zum neuen System.

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