Riester im Versicherungsmantel: Meine teure Lektion mit der Index-Select-Rente

Erfahrungsbericht · Antonio Brigante · Lesezeit ca. 7 Minuten

2019 war ich überzeugt, alles richtig gemacht zu haben: Ich hatte eine Riester-Rente – staatlich gefördert, vom Berater empfohlen, in eine Versicherung verpackt, mit dem klangvollen Namen „Index Select“. Vier Jahre später schaute ich mir den Vertrag zum ersten Mal wirklich genau an. Was ich fand, hat meine Sicht auf Finanzprodukte für immer verändert.

Was mir damals niemand erklärt hat

Auf dem Papier klang das Produkt clever: Beitragsgarantie plus Beteiligung an einem Index. In der Realität steckten in dem Vertrag mehrere Kostenebenen übereinander:

  • Abschluss- und Vertriebskosten, die über die ersten Jahre aus meinen Beiträgen entnommen wurden – Geld, das nie für mich arbeiten konnte.
  • Laufende Verwaltungskosten der Versicherung, Jahr für Jahr.
  • Eine gedeckelte Indexbeteiligung: In guten Börsenjahren war meine Rendite nach oben begrenzt, die Kosten liefen aber ungebremst weiter.

Unterm Strich hatte ich nach vier Jahren einen Vertrag, dessen Wert deutlich unter der Summe meiner Einzahlungen lag – trotz Zulagen und trotz eines insgesamt guten Börsenumfelds.

Der Wendepunkt

Dieser Moment war für mich der Startschuss, Finanzen selbst zu verstehen. Anderthalb Jahre lang habe ich mir alles angeeignet: Wie Geldanlage funktioniert, welche Produkte es gibt, wo überall Kosten versteckt sind und welche Alternativen existieren. Die wichtigste Erkenntnis: Komplexität ist im Finanzvertrieb oft kein Qualitätsmerkmal, sondern ein Kostenversteck. Je schwerer ein Produkt zu durchschauen ist, desto genauer solltest du hinschauen.

Was du bei einem bestehenden Vertrag prüfen solltest

  1. Standmitteilung lesen: Wie hoch ist der aktuelle Vertragswert im Vergleich zu deinen Einzahlungen plus Zulagen?
  2. Kosten anfordern: Versicherer müssen dir die Effektivkosten nennen. Alles über etwa 1,5 % pro Jahr frisst langfristig einen erheblichen Teil deiner Rendite.
  3. Optionen kennen: Kündigen ist nicht immer die beste Lösung – oft gibt es auch Beitragsfreistellung oder einen Anbieterwechsel. Bei Riester können bei Kündigung Zulagen und Steuervorteile zurückzuzahlen sein.
  4. Alternative durchrechnen: Vergleiche, was dieselbe Sparrate in einem kostengünstigen Depot über die Restlaufzeit erreichen könnte – zum Beispiel mit meinem Zinseszinsrechner.
Wichtig: Ob Kündigung, Beitragsfreistellung oder Weiterführen sinnvoll ist, hängt vom Einzelfall ab (Garantien, Förderung, Restlaufzeit, Gesundheit, Steuern). Dieser Artikel ist ein Erfahrungsbericht und ersetzt keine individuelle Beratung.

2027 kommt der Riester-Nachfolger – das ändert alles

Für alle, die heute in einem teuren Riester-Vertrag stecken, gibt es eine wichtige Neuigkeit: Zum 1. Januar 2027 startet das neue, staatlich geförderte Altersvorsorgedepot – ohne Garantiezwang, ohne Versicherungsmantel, mit bis zu 540 € Grundzulage pro Jahr. Neue Riester-Verträge gibt es ab dann nicht mehr; Bestandsverträge laufen unter Bestandsschutz weiter. Du kannst deinen Riester-Vertrag dann weiterführen, das Guthaben in ein Altersvorsorgedepot übertragen oder ihn beitragsfrei stellen. Welche Option sich rechnet, hängt von deinem Vertrag ab – alle Details zum neuen System findest du in meinem Artikel „Das Altersvorsorgedepot 2027 einfach erklärt“.

Mein Fazit nach dieser Erfahrung

Ich bin nicht grundsätzlich gegen Förderprodukte – aber ich bin strikt gegen intransparente Kosten. Heute läuft meine Altersvorsorge über ein selbst geführtes Depot: Ich weiß auf den Cent genau, was es kostet, und jeder eingezahlte Euro arbeitet für mich statt für den Vertrieb. Genau dieses Wissen gebe ich im Finanzcoaching weiter – damit dir meine teure Lektion erspart bleibt.

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