Standarddepot oder individuelles Depot? Die zwei Varianten des Altersvorsorgedepots im Vergleich
Wenn das Altersvorsorgedepot am 1. Januar 2027 startet, stehst du vor der ersten Grundsatzentscheidung: Standarddepot oder individuelles Depot? Beide Varianten bekommen exakt dieselbe staatliche Förderung – sie unterscheiden sich darin, wer die Anlageentscheidungen trifft und was das kostet. Hier ist der ehrliche Vergleich.
Das Standarddepot: Die Autopilot-Variante
Das Standarddepot ist die vereinfachte Lösung für alle, die sich nicht mit Fondsauswahl beschäftigen wollen. Der Anbieter legt dein Geld nach gesetzlich definierten Vorgaben breit gestreut an – du musst nichts auswählen und nichts verwalten. Der große Pluspunkt: Ein gesetzlicher Kostendeckel von 1,0 % pro Jahr. Damit ist sichergestellt, dass dir kein Anbieter die Rendite mit überzogenen Gebühren abgräbt. Zusätzlich wird ein öffentlicher Träger ein eigenes Standarddepot anbieten – also eine Art staatliche Basislösung.
Für wen geeignet: Einsteiger ohne Börsenerfahrung, alle, die eine „einrichten und vergessen“-Lösung wollen, und alle, die sich von der Produktauswahl überfordert fühlen.
Das individuelle Depot: Die Selbstentscheider-Variante
Beim individuellen Depot wählst du die Anlagen selbst aus – zum Beispiel konkrete ETFs aus dem zertifizierten Angebot deines Anbieters. Du bestimmst die Strategie, kannst umschichten und die Kosten aktiv drücken: Ein breit gestreuter Welt-ETF kostet oft nur 0,1 bis 0,3 % pro Jahr – deutlich weniger als der 1,0-%-Deckel des Standarddepots. Über Jahrzehnte macht dieser Kostenunterschied fünfstellige Beträge aus.
Aber Achtung: Mehr Freiheit heißt auch mehr Verantwortung. Wer ständig umschichtet, Trends hinterherläuft oder in Krisen verkauft, macht den Kostenvorteil schnell zunichte. Das individuelle Depot lohnt sich für alle, die eine einfache Strategie diszipliniert durchhalten können.
Für wen geeignet: Alle, die schon einen ETF-Sparplan führen oder bereit sind, sich einmal gründlich einzuarbeiten – zum Beispiel mit meiner Schritt-für-Schritt-Anleitung.
Der direkte Vergleich
- Förderung: identisch – bis zu 540 € Grundzulage, Kinderzulage, Steuerstundung gelten für beide Varianten.
- Kosten: Standarddepot maximal 1,0 % p. a. (Deckel); individuelles Depot je nach Auswahl oft deutlich günstiger, aber ohne Deckel – hier musst du selbst hinschauen.
- Aufwand: Standarddepot nahezu null; individuelles Depot einmalige Einarbeitung plus ein jährlicher Kontrollblick.
- Fehlerrisiko: Standarddepot schützt dich vor eigenen Anlagefehlern; im individuellen Depot bist du selbst dein größtes Risiko.
- Wechsel: Du bist nicht auf ewig festgelegt – ein Anbieter- und Produktwechsel ist möglich (in den ersten fünf Jahren max. 150 € Gebühr, danach kostenlos).
Meine ehrliche Einschätzung
Die unbequeme Wahrheit zuerst: Ein schlechtes individuelles Depot ist schlechter als jedes Standarddepot. Wer unsicher ist, fährt mit der Standardlösung solide – der Kostendeckel und die breite Streuung verhindern die schlimmsten Fehler. Wer aber bereit ist, sich einmal richtig einzuarbeiten, holt mit einem selbst zusammengestellten, kostengünstigen ETF-Depot über die Jahrzehnte spürbar mehr heraus. Genau dieses Wissen vermittle ich im Finanzcoaching – damit aus der Selbstentscheider-Variante keine Bauchentscheidung wird.
Und egal, welche Variante du wählst: Rechne vorher mit dem Zulagenrechner aus, wie viel Förderung dir zusteht – die ist in beiden Fällen gleich und der eigentliche Grund, das Altersvorsorgedepot überhaupt zu nutzen.