Scalable Capital: Der Rentenbonus belohnt, wer selbst entscheidet

Analyse · Stand 13. Oktober 2026 · Lesezeit ca. 8 Minuten

Anfang Oktober 2026 hat Scalable Capital die Konditionen für sein Altersvorsorgedepot veröffentlicht. Herzstück ist etwas, das es bei einem geförderten Vorsorgeprodukt bisher nicht gab: der Rentenbonus.

Die Idee dahinter ist simpel. Scalable rechnet aus, welche laufenden Produktkosten auf deine Fonds entfallen, schreibt dir diesen Betrag gut und legt ihn direkt wieder an. Unterm Strich hältst du diese Fonds damit faktisch zum Nulltarif.

Was in den Meldungen dazu meist untergeht: Der Bonus gilt nicht für jeden Kunden. Er hängt davon ab, welche der beiden Varianten du wählst – und das macht ihn zu einer Entscheidung über dich selbst, nicht nur über einen Anbieter.

Die Konditionen im Überblick

Wie jeder Anbieter muss Scalable zwei Varianten anbieten. Sie unterscheiden sich hier stärker als bei anderen:

StandarddepotDepot für Selbstentscheider
Depotführungkostenloskostenlos
Sparplan-Ausführungkostenloskostenlos
Einzelkaufkostenlos0,99 € oder 0 € im Abo
Fondskostenentfallen bis Ende 2027entfallen bei 16 ETFs
danachhöchstens 0,15 % pro Jahroffen
Auswahlein Aktien- und ein Anleihen-ETFfrei aus dem förderfähigen Angebot

Die 16 Fonds auf der Bonusliste stammen von Scalable selbst sowie von BlackRock, DWS und Vanguard – also den Häusern hinter iShares, Xtrackers und Vanguard. Darunter sind breite Welt-Aktienfonds, einige Anleihefonds und Geldmarktprodukte. Ihre laufenden Kosten liegen je nach Fonds zwischen 0,03 und 0,15 Prozent im Jahr. Genau diese Beträge erstattet Scalable.

Zum Zeitplan: Eröffnen lässt sich das Depot erst ab dem 1. Januar 2027. Beträge, die bis dahin auflaufen, will Scalable nachträglich gutschreiben. Entscheiden musst du heute nichts.

Der Bonus gilt nur für Selbstentscheider

Das ist der Punkt, auf den es ankommt. Der Rentenbonus ist an das Depot für Selbstentscheider geknüpft – also an die Variante, in der du die Fonds selbst aussuchst.

Im Standarddepot bekommst du keinen Bonus. Dort übernimmt Scalable die Fondskosten stattdessen pauschal, aber nur bis mindestens Ende 2027. Was danach gilt, lässt der Anbieter offen; vertraglich zulässig wären bis zu 0,15 Prozent pro Jahr.

Damit baut Scalable eine Weiche ein: Wer bereit ist, sich mit der Auswahl zu beschäftigen, zahlt dauerhaft nichts. Wer die bequeme Lösung nimmt, zahlt ab dem zweiten Jahr möglicherweise wieder.

Das ist eine andere Logik als bei Trade Republic, wo die Kostenbefreiung in beiden Varianten greift. Welche Konditionen dort genau gelten, habe ich hier beschrieben: Trade Republic macht das Altersvorsorgedepot kostenlos.

Was der Bonus ausdrücklich nicht abdeckt

Hier verdient Scalable Anerkennung: Der Anbieter sagt es selbst, statt es zu verschweigen. Der Rentenbonus erstattet die laufenden Produktkosten – und sonst nichts.

Was weiterhin anfällt:

  • Die Handelsspanne. Zwischen An- und Verkaufskurs eines Fonds liegt immer eine Differenz. Sie taucht auf keiner Abrechnung auf, kostet aber bei jedem Kauf Geld.
  • Kosten innerhalb des Fonds. Wenn ein Fonds seine Bestände anpasst, weil sich der zugrunde liegende Index ändert, entstehen Handelskosten. Die stecken nicht in der ausgewiesenen Kostenquote.
  • Abweichungen bei der Nachbildung. Wie genau ein Fonds seinen Index trifft, entscheidet über die Rendite oft mehr als ein Zehntelprozent Gebühr.

Null Prozent ausgewiesene Kosten heißt also nicht null Kosten. Es heißt: Der sichtbarste Posten fällt weg. Das ist viel wert – aber es ist nicht dasselbe.

Wie lange gilt das?

Scalable macht dazu keine Zusage. Der Anbieter behält sich ausdrücklich vor, die Fondsliste zu ändern, einzuschränken oder den Bonus ganz zu beenden. Dann greifen die regulären Produktkosten wieder.

Das ist keine Spitzfindigkeit, sondern bei einem Vertrag über Jahrzehnte die entscheidende Einschränkung. Du planst mit vierzig Jahren Laufzeit, die Gegenseite sagt dir nur zu, was aktuell gilt.

Ehrlich ist allerdings auch: Das gilt für das gesamte Feld. Keiner der aktuellen Anbieter hat eine Kostenbefreiung vertraglich zugesichert. Wer heute eine Dreißig-Jahres-Rechnung mit null Prozent aufmacht, rechnet mit einer Momentaufnahme.

Was die Erstattung praktisch bringt

Hier lohnt ein nüchterner Blick, weil die Schlagzeilen leicht größer klingen als der Effekt am Anfang.

Die Fondskosten liegen bei den Bonus-Produkten zwischen 0,03 und 0,15 Prozent. Bei einem Depotwert von 10.000 € sind das je nach Fonds zwischen 3 und 15 € im Jahr. Das ist spürbar, aber es verändert dein Leben nicht.

Der Hebel entsteht später. Je größer dein Depot wird, desto mehr trägt die Erstattung – und weil sie wieder angelegt wird, verzinst sie sich mit. Nach zwanzig oder dreißig Jahren reden wir über eine andere Größenordnung.

Zur Einordnung, warum das überhaupt eine Nachricht ist: Andere Anbieter rufen für vergleichbare geförderte Produkte deutlich mehr auf – teils ein Prozent pro Jahr und mehr, zuzüglich fester Gebühren. Vor diesem Hintergrund ist der Abstand zwischen 0,0 und 0,15 Prozent fast nebensächlich. Der eigentliche Unterschied liegt zwischen den günstigen Anbietern und dem Rest des Marktes, nicht zwischen Scalable und Trade Republic.

Rechne es selbst nach: Mit dem Zinseszinsrechner siehst du, was ein Zehntelprozent über deine Laufzeit bedeutet – wahlweise nach Steuer und in heutiger Kaufkraft. Und im Altersvorsorgedepot-Rechner vergleichst du die geförderte Variante mit einem freien Depot.

Die Frage, die du dir wirklich stellen solltest

Nicht: Welcher Anbieter ist der günstigste? Sondern: Bin ich jemand, der selbst auswählt?

Denn der Bonus hat einen Preis, der nicht in Euro gemessen wird. Du musst die Fonds selbst bestimmen, du musst verstehen, was du dort auswählst, und du musst damit vierzig Jahre leben – auch in Jahren, in denen die Kurse fallen.

Drei Fragen, die das ehrlich klären:

  • Weißt du, worin du investierst? Nicht den Fondsnamen – sondern was er abbildet, wie breit er streut und warum du gerade den willst.
  • Hältst du durch? Wer im Abschwung verkauft, hat mit dem günstigsten Fonds trotzdem verloren.
  • Willst du dich kümmern? Die Bonusliste kann sich ändern. Wer davon profitieren will, muss gelegentlich hinschauen.

Wenn du dreimal überzeugt Ja sagst, ist das Depot für Selbstentscheider gebaut für dich. Wenn du zögerst, ist das kein Makel. Dann ist die Standardlösung mit automatischer Umschichtung vermutlich das Ergebnis, mit dem du am Ende besser fährst – auch wenn sie ein paar Euro im Jahr kostet.

Welche Überlegungen bei dieser Weiche sonst noch eine Rolle spielen, habe ich hier ausführlicher aufgeschrieben: Standarddepot oder individuelles Depot?

Mein Fazit

Der Rentenbonus ist ein cleveres Produkt und ein gutes Zeichen für den Markt. Dass sich zwei große Anbieter im Oktober 2026 gegenseitig bei den Kosten unterbieten, bevor das Produkt überhaupt startet, kommt am Ende den Sparern zugute.

Was ich nicht mitmache, ist die Gleichung „kostenlos gleich am besten für mich“. Der Bonus belohnt eine bestimmte Art zu investieren: selbst auswählen, verstehen, durchhalten. Wer so arbeitet, bekommt hier sehr gute Konditionen. Wer es nicht tut, zahlt mit einem Risiko, das sich nicht in Gebühren ausdrücken lässt.

Mein Rat bleibt derselbe wie beim Wettbewerb: Entscheide im Januar, wenn alle Konditionen veröffentlicht, die Produktinformationsblätter verfügbar und die Verträge zertifiziert sind. Bis dahin ist jede Zahl eine Ankündigung.

Du bist unsicher, welche der beiden Varianten zu dir passt – oder was mit einem bestehenden Riester-Vertrag geschehen soll? Im Finanzcoaching auf Honorarbasis gehen wir deine Situation gemeinsam durch. Ich verkaufe keine Produkte und bekomme keine Provision, egal wie du dich entscheidest.

Hinweis: Alle Angaben beruhen auf der Kommunikation von Scalable Capital von Anfang Oktober 2026 und der Berichterstattung dazu. Die endgültigen Konditionen, die Fondsliste und die Bedingungen nach 2027 stehen noch nicht fest und können sich bis zum Start am 1. Januar 2027 ändern. Dieser Artikel nennt bewusst keine einzelnen Fonds und spricht keine Produktempfehlung aus. Alle Inhalte dienen der finanziellen Bildung und Wissensvermittlung und stellen keine Anlage-, Steuer- oder Rechtsberatung dar. Maßgeblich sind die Produktinformationsblätter und Vertragsbedingungen des Anbieters.